Wien, im November 2006Satisfaktion
Eine längst fällige Rehabilitationsschrift für Simon Petrus
Erster Papst der Christenheit

Würden wir Jesus Christus an einer wirtschaftlichen Führungsperson messen, so käme man möglicherweise zu dem Schluss, dass er bei der Auswahl seiner engsten Mitarbeiter beträchtlich daneben gegriffen hat. Judas, der für die Finanzer der ersten christlichen Gemeinschaft verantwortlich war, verrät ihn um 30 Silberlinge. Simon Petrus, dem er seine Kirche anvertraut, verleugnet ihn, scheinbar aus Angst um sein eigenes Leben, gleich dreimal.

In der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift „Das Neue Testament“ - Kommentierte Ausgabe – Herausgegeben über Empfehlung der Interdiözesanen Lehrbuchkonferenz der Österreichischen Bischofskonferenz als Schul- und Werkbuch - Für den Religionsunterricht zugelassen – aus dem Jahre 1975 - stehen als Kommentare:
Bei Mk 26,69 – 7 5 – Die Verleugnung durch Petrus „ Jesu Bekenntnis mahnt, des Petrus Versagen warnt die Gemeinde, die zum Christusbekenntnis gefordert ist.
Bei Mk 16,66 -72 - „Der Bericht zeigt eine gewollte Steigerung: Petrus will nicht verstehen, er leugnet, er flucht und schwört. Der Hahnenschrei bringt ihn zur Besinnung und zur Reue. Petrus ist Zeichen der Hoffnung für Christen, die im Bekenntnis vor Gericht versagt haben.“
Bei Lk 22,54 – 62 – „Lk ordnet den Bericht des Mk neu: zuerst Verleugnung des Petrus und Verspottung durch die Wächter, dann Verhör vor dem Hohen Rat. Zur Umkehr des Petrus führt der Hahnenschrei, der Blick des Herrn und die Erinnerung an sein Wort.“
Bei Joh 18,25 – 27 – „Petrus gelangt durch einen anderen Jünger (Johannes) in den Palast des Hohenpriesters und verleugnet Jesus. Die starken Ausdrücke, die er dabei nach Mk und Mt gebraucht, unterdrückt Joh; er achtet Petrus als den Hirt der Herde Christi.“

Eine längst überholte Meinung über Petrus? Leider nein! Beim letzten Papstbesuch von Benedikt XVI. in Deutschland, konnte es sich der Berichterstatter nicht verkneifen, über den Charakter von Petrus einige abfällige Bemerkungen zu machen. Der erste Vertreter von Jesus Christus auf Erden, hätte doch wohl die Bereitschaft haben müssen, für sein Bekenntnis zu Jesus Christus auch in den Tod zu gehen, wie es dann unzählige Märtyrer nach ihm getan haben. Stattdessen, so meinte der immerhin dem Priesterstand angehörige Berichterstatter, hätte er feige dreimal den Herrn verleugnet. Außerdem, welche großen geistigen Eigenschaften, könnte man wohl einem einfachen Fischer zuschreiben? Und erst bei der Verhaftung, da greift Petrus zum Schwert und schlägt dem Knecht des Hohenpriesters das rechte Ohr ab. Sein bewaffnetes Eintreten beendet Jesus, der zu Petrus sagt: Steck das Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, nicht trinken?

Resümee einer Charakterstudie: Simon Petrus ist ein ungebildeter Fischer, der aggressiv mit dem Schwert bei einem Angriff reagiert und der dann aus Feigheit leugnet, mit Jesus Christus je etwas zu tun gehabt zu haben. Und einem solchen Menschen hat Jesus Christus seine Kirche anvertraut? Er, der in die Herzen und Seelen der Menschen sehen kann, der bei jeder Handlung auch die Motivation erkennt, konnte keinen Besseren finden?
Genau das, Jesus Christus hätte keinen besseren finden können. Wir machen uns nunmehr auf die Spuren des Simon Petrus im Neuen Testament und lassen die einzelnen Szenen zu einem gemeinsamen Ganzen verschmelzen und erst dies lässt eine Analyse zu, über seine Motivation, über seine Hingabe und absolute Treue zu Jesus Christus.
Kapitel 1 - Die Berufung der ersten Jünger
Lk 5,1 – 11
Als Jesus am See Gennesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein kleines Stück vom Ufer wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahrt hinaus auf den See! Dort werft die Netze zum Fang aus! Simon antwortet ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch weil du es sagst, will ich die Netze noch einmal auswerfen. Das taten sie und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie den Fischern im anderen Boot, sie sollten kommen um ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Geh fort von mir, Herr, ich bin ein Sünder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote ans Land; dann verließen sie alles und folgten ihm.

Jesus vertraut Petrus vom ersten Moment an und schon bei der ersten Begegnung verweist er die Jünger auf ihre zukünftige Bestimmung. Auch Petrus erfühlt die Göttlichkeit von Jesus und ist überwältigt von der Gewalt dieser Erkenntnis. Er lässt alles liegen und stehen und folgt dem Herrn. Wie einfach hört sich dieser Satz an. Wie können wir uns aber diese Handlung im Kontext mit der damaligen gesellschaftlichen Struktur vorstellen? Wäre Petrus ein armer ungebildeter Fischer gewesen, so wäre er einem Vorgesetzten, wenn schon nicht hörig, so doch immerhin zur Rechenschaft verpflichtet gewesen. Kein Wort darüber verlieren die Berichterstatter. Das Boot gehört ihm er ist also sein eigener „Chef“. Niemand hält ihn auf, keiner fragt, ob er wiederkommt. Was aber musste ein „Selbständiger“ schon zu dieser Zeit unbedingt beherrschen? Sicher alle Grundrechnungsarten, denn er musste den Fischfang danach bestmöglich verkaufen, um aus diesem Erlös den Lebensunterhalt zu bestreiten und um neue Boote und Netzte zu kaufen. Zudem musste er darüber Bescheid wissen, bei welchem Seegang er ausfahren durfte, welche Segel und Netze verwendet werden sollten und noch vieles mehr, was ein selbständig tätiger Mensch beherrschen muss, der allein durch Arbeit sein Auskommen erwirtschaften muss. Dass Petrus bei den anderen Fischern angesehen war, daran haben wir keinen Zweifel. So entsteht vor dem geistigen Auge in der Person des Petrus, ein verantwortlich wirkender Mann, der umsichtig sein Fischerhandwerk ausübte.

Kapitel 2 – Die Heilung der Schwiegermutter des Petrus
Mt 8,14 – 15
Jesus ging in das Haus des Petrus und sah, dass dessen Schwiegermutter mit Fieber zu Bett lag. Da berührte er ihre Hand, und das Fieber wich von ihr. Und sie stand auf und bewirtete ihn.

Was soll man von einem Mann halten, der die Familie in Stich lässt, um Jesus zu folgen. Hat dies auch Petrus getan? Immerhin heilt Jesus die Schwiegermutter von Petrus und danach kann diese ihn und die anderen Jünger versorgen. Wo aber ist die Frau von Petrus? Gerade eben mal „shoppen“? Wohl kaum, Petrus muss zu dieser Zeit Witwer sein und seine Familie besteht offensichtlich nur aus der Schwiegermutter die für ihn den Haushalt führt, vielleicht auch nur fallweise, wenn Petrus Gäste erwartet. Niemals hätte Jesus gewollt, dass ein verheirateter Mann seine Familie verlässt und damit Frau und Kinder dem Elend Preis gibt. Es ist im Gegenteil die Bestätigung dafür, dass ein Mann, der sich berufen fühlt, Jesus zu folgen und sein Wort zu verkünden, unverheiratet sein muss, damit weder Frau noch Kinder unter diesem Entschluss zu leiden haben.

Kapitel 3 – Das Messiasbekenntnis des Petrus und die Antwort Jesu
Mt 16,13 – 20
Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: Für wen halten die Leute den Menschensohn? Sie sagten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes. Jesus sagte zum ihm: Wohl dir Simon, Sohn des Jona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte des Todes werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein. Dann befahl er den Jüngern, niemand zu sagen, dass er der Messias sei.

Wie überrascht muss Petrus gewesen sein, dass er auf seine Antwort, unvermutet so große Befugnisse eingeräumt bekommt. Seit er mit Jesus zusammen ist, weiß er um dessen Göttlichkeit und alles was Jesus sagt, bewahrheitet sich. In seiner Nähe gibt es keine Zweifel und wenn er von Jesus für ein Amt eingesetzt wird, hinterfragt er nichts. Denn sein Vertrauen zu Jesus ist ohne Grenzen.

Kapitel 4 – Die erste Ankündigung von Leiden und Auferstehung
MK 8.31 – 33
Dann eröffnete er ihnen, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, Hohenpriestern und Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet werden, aber nach drei Tagen auferstehen. Und er redete in aller Offenheit darüber. Da zog ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe. Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.

Als Jesus zum ersten Mal von seiner Bestimmung spricht, ist Petrus über diese Aussage entsetzt. Nichts liegt näher, als dass man einen Menschen, den man zutiefst verehrt und liebt, vor einem derartigen Schicksal bewahren will. Als Jesus ihn mit schroffen Worten zurückweist, muss Petrus erkennen, dass Jesus keinesfalls von ihm in dieser Hinsicht einen Rat annehmen wird. Man kann sich die Betroffenheit von Petrus vorstellen. Er hat es doch nur gut gemeint, er lernt aber in diesem Augenblick, dass Jesus einen Weg gehen wird, der für Menschen schwer verständlich ist. Weil Jesus ihn in einer derart heftigen und ungewohnten Art zurückweist, wird er diesen Vorfall sicher niemals vergessen.

Kapitel 5 - Die Verklärung Jesu
Mk 9,2 – 13
Sechs Tage danach nahm Jesus den Petrus, den Jakobus und den Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Färber machen kann. Und es erschien ihnen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus. Da sagte Petrus zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind; wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen. Da erschien eine Wolke und überschattete sie; und aus der Wolke kam eine Stimme: Dies ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören. Und als sie sich dann umblickten, sahen sie niemand mehr bei sich außer Jesus. Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei. Sie griffen das Wort auf und fragten einander, was das bedeute: „Von den Toten auferstehen.“

Was würden wir heute denken, wären wir Zeugen eines derartig dramatischen Geschehens? Blieben wir unberührt, oder würden wir ebenso reagieren wie Petrus und die anderen? Mit Sicherheit wären wir nicht weniger beeindruckt als die Jünger. Unvergesslich auch das Gefühl der großen Angst, aus welcher Jesus sie mit seinen ruhigen Worten befreite, obwohl er auch hier wieder auf seinen nahen Tod und die Auferstehung hinweist.

Kapitel 6 – Von der Tempelsteuer
Mt 17,24 – 27
Als Jesus und die Jünger nach Kafarnaum kamen, gingen die Männer, die die Tempelsteuer einzogen, zu Petrus und fragte: Zahlt euer Meister die Doppeldrachme nicht? Er antwortete: Doch. Als er dann ins Haus hineinging, überraschte ihn Jesus mit der Frage: Was meinst du, Simon, von wem erheben die Könige dieser Welt Zölle und Steuer? Von ihren eigenen Söhnen oder von den anderen Leuten? Als Petrus antwortete: Von den anderen, sagte Jesus zu ihm: Also sind die Söhne frei. Damit wir aber bei niemand Anstoß erregen, geh an den See und wirf die Angel aus; den ersten Fisch, den du fängst, nimm, öffne ihm das Maul, und du wirst eine Viererdrachme finden. Die gib den Männern als Steuer für uns beide.

Ist der Fang eines Fisches, der die gewünschte Münze im Maul hält, ein Wunder oder bloß Zufall? Jesus ist bemüht, alle seine Handlungen als Werk Gottes erkennen zu lassen und Petrus mag zwischen Bewunderung und Anbetung geschwankt haben. Auch wir müssen die pragmatische Art, mit der Jesus der weltlichen Obrigkeit begegnet, staunend anerkennen.

Kapitel 7 - Die Stunde der Entscheidung
Lk 22,35 – 38
Dann sagte Jesus zu Ihnen: Als ich euch ohne Geldbeutel, Vorratstasche und Sandalen aussandte, habt ihr da etwas entbehren müssen? Sie antworteten: Nein. Da sagte er: Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen, und ebenso die Tasche. Wer kein Geld hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich ein Schwert kaufen. Denn ich sage euch: An mir muss sich das Schriftwort erfüllen: Er wurde zu den Verbrechern gerechnet. Was über mich gesagt ist, geht in Erfüllung. Sie sagten: Herr, hier haben wir zwei Schwerter. Er erwiderte: Das genügt.

Jesus befiehlt seinen Jüngern, Schwerter mitzunehmen. Er will seiner selbst gewählten Bestimmung jedoch nicht entgehen, sondern es muss sich das Schriftwort erfüllen, um allen Nachgeborenen die Möglichkeit zu geben, die Hinweise auf Jesus nachzulesen und richtig zu deuten. Die Jünger hätten sich ausreichend bewaffnen können, um mit dem Schwert die Verhaftung und Ermordung von Jesus zu verhindern. Es war aber Jesus selbst, der sie daran hinderte und damit die Friedfertigkeit seiner Lehre bewies.

Kapitel 8 - Der Gang zum Ölberg
Mt 26,30 – 35
Nachdem sie den Lobgesang beendet hatten, gingen sie zum Ölberg hinaus. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr alle werdet in dieser Nacht an mir Anstoß nehmen und zu Fall kommen; denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten erschlagen, und die Schafe der Herde werden zerstreut. Aber nach meiner Auferweckung werde ich euch nach Galiläa vorausgehen. Petrus erwiderte ihm: Selbst wenn alle an dir Anstoß nehmen – ich nicht! Jesus entgegnete ihm: Amen, ich sage dir: In dieser Nacht, noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Da sagte Petrus zu ihm: und wenn ich mit dir sterben müsste -, ich werde dich niemals verleugnen! Das gleiche sagten auch alle anderen Jünger.

Wenn wir uns fragen, wären wir bereit, für unseren Glauben zu sterben, so kämen bei vielen keine Zweifel auf. Wir gedenken der vielen Märtyrer, die dies bewiesen haben. Allerdings ist es das Eine, sich dafür bereit zu erklären und es ist etwas Anderes, zur gegebenen Zeit diese Entscheidung auch zu erfüllen.
Petrus ist überzeugt, dass er Jesus niemals aus Angst um sein eigenes Leben verleugnen wird, denn sein Glaube an Jesus ist so stark, dass er den eigenen Tod nicht fürchtet. Trotzdem ist dieses Gespräch von größter Wichtigkeit für Petrus, denn es ist die letzte Prophezeiung von Jesus, an die sich Petrus kurz darauf erinnern muss.

Kapitel 9 - Jesu Verhaftung
Joh 18,1 – 11
Nach diesen Worten ging Jesus mit seinen Jüngern weg, auf die andere Seite des Baches Kedron; dort war ein Garten, in den er mit seinen Jüngern hineinging. Auch Judas, sein Verräter, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. Judas kam mit einem Trupp und mit Knechten der Hohenpriester und Pharisäer dorthin; sie trugen Fackeln, Laternen und Waffen. Jesus wusste alles, was mit ihm geschehen sollte; er ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagte zu ihnen: Ich bin es. Auch Judas, sein Verräter, stand bei ihnen. Als er zu ihnen sagte: Ich bin es, wichen sie zurück und stürzten zu Boden. Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazaret. Jesus antwortet: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr also mich sucht, lasst diese gehen! So sollte sich das Wort erfüllen, dass er gesagt hatte: Ich lasse keinen von denen verloren gehen, die du mir gegeben hast. Simon Petrus aber, der ein Schwert hatte, zog es, traf den Knecht des Hohenpriesters und schlug ihm das rechte Ohr ab; der Knecht hieß Malchus. Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, nicht trinken?

Hier beweist Petrus, dass er keinen Augenblick zögert, um für Jesus auch mit dem Schwert einzutreten und er achtet nicht auf sein eigenes Leben. Erst die Worte von Jesus bewirken, dass er von seiner Verteidigung ablässt. Jesus vergisst bei dieser Gelegenheit nicht, Petrus noch ein letztes Mal zu ermahnen, dass er nichts unternehmen darf, was den von Jesus selbst akzeptiertem Ablauf der kommenden Ereignisse stört.

Kapitel 10 - Die Verleugnung durch Petrus
Lk. 22,54 – 62
Sie nahmen in fest, führten ihn ab und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters; Petrus folgte von weitem. Mitten im Hof zündeten sie ein Feuer an und setzten sich ringsum; Petrus setzte sich zu ihnen. Eine Dienerin sah ihn am Feuer sitzen, schaute ihn genau an und sagte: Der war auch mit ihm zusammen. Petrus aber leugnete: Frau, ich kenne ihn nicht. Kurz danach bemerkte ihn ein anderer und sagte: Du gehörst auch zu ihnen. Petrus aber sagte: Mensch, nein! Etwa eine Stunde später behauptete wieder einer: Ganz sicher, der war auch mit ihm zusammen. Außerdem ist er Galiläer. Petrus aber erwiderte: Mensch, ich weiß nicht, wovon du redest! In diesem Augenblick, noch während er redete, Krähte ein Hahn. Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. Jetzt erinnerte sich Petrus an das, was der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und begann bitter zu weinen.

Nur im Lukasevangelium finden wir den Satz „In diesem Augenblick sah ihn der Herr an“. Petrus war es gelungen, durch die große Anzahl der Feinde bis auf Blickkontakt zu Jesus vorzudringen. Und nichts kann ihn aufhalten, er will Jesus mit seiner Anwesenheit signalisieren, wir stehen bereit, wir bekennen uns zu dir, wir werden dich befreien auch wenn wir für dich sterben. Doch was muss Petrus aus dem kurzen Blick erkennen, den Jesus ihm zuwirft? Er hat ihm vorausgesagt, dass er ihn dreimal verleugnen würde, bevor der Hahn kräht. Das hat er getan, NICHT UM SICH SELBST ZU SCHÜTZEN, sondern um hier auszukundschaften, wie Jesus unmittelbar befreit werden kann. Die anderen Jünger sind in die Dörfer gelaufen, um Leute zu alarmieren, dass sie Jesus den Händen der Häscher entreißen wollen. Keiner denkt an seine eigene Sicherheit, keiner wird zurückstehen.
Durch diesen Blick wird Petrus daran erinnert, dass ihn Jesus „Satan“ genannt hat, der nur das will, was die Menschen wollen, und nicht das, was Gott will. Petrus hat sich durch diesen Ausspruch tief getroffen gefühlt und er kann dies nicht vergessen. Jetzt muss er erkennen, dass nicht er mit Satan gemeint war, sondern dass Satan siegte, würde er Jesus daran hindern, seinen Weg bis zum qualvollen Ende zu gehen. Alles was Jesus gesagt hat, ist immer wahr geworden, so wird auch die Auferstehung, von der er gesprochen hat, Wirklichkeit werden. Doch das kann er sich in diesem Augenblick nicht vorstellen. Er sieht nur Jesus, seinen geliebten Herrn, gedemütigt und gequält und darf nichts dagegen unternehmen.
Er verlässt den Hof und diese Gewissheit lässt ihn in bittere Tränen ausbrechen.
Als er zu den Jüngern kommt, die schon eine große Anzahl von kampfbereiten Männern versammelt haben, erklärt er ihnen, der Herr erlaubt es nicht, dass wir ihn befreien. Was muss sich Petrus von allen Seiten anhören und mit welch großer Überredungskunst muss er die Männer daran erinnern, was Jesus ihnen gesagt hat. Da nehmen sie „Anstoß“ an Jesus. Nicht, dass sie an ihm zweifeln oder an seinen Worten, auf die sie nach wie vor bedingungslos vertrauen. Sie wollen es nicht widerspruchslos hinnehmen, ihn den Folterknechten überlassen zu müssen, denn nur aus Gehorsam zu Jesus und Gott Vater, sind sie zur Untätigkeit gezwungen.

Es geht ihnen nicht anders als uns, die wir zur Osterzeit in den Kirchen das Lied singen:
„Dann ging er hin zu sterben,
in liebevollem Sinn,
gab Heil uns zu erwerben,
sich selbst als Opfer hin.“
Auch wir haben bei diesen Zeilen oft gedacht, lieber Jesus, bitte stirb nicht für mich. Rette Dich, es wird einen anderen Weg geben, die Menschen durch das Christsein zu erlösen.
Um nach Ostern zu erkennen, es hätte keine andere Lösung gegeben, um den Wandel der menschlichen Gesellschaft herbeizuführen.

Alle Prophezeiungen von Jesus sind eingetreten, Wort für Wort haben sie sich erfüllt, nur die Auslegung von uns Nachgeborenen hat zu manchen falschen Schlüssen geführt.
Petrus hat nicht gefehlt, sein Leugnen war Taktik, um Jesus zu befreien, nicht Selbstschutz. Sein Anstoß nehmen war kein Zweifeln an Jesus, sondern Zweifel daran, ob es richtig ist, tatenlos zu bleiben. Nachdem Jesus auferstanden ist, weiß Petrus, wie sein weiteres Wirken sein muss. Er wird unbeirrbar die Anweisungen befolgen, die er von Jesus erhalten hat.
Petrus, der Fels, hat niemals Charakterschwäche gezeigt, sondern hat so gehandelt, um Jesus beizustehen. Es ist Zeit, ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. BuchPetrus